In meinen Beratungsgesprächen ist die Website immer ein zentrales Thema - und oft ein echter Hemmschuh im Marketing. Was die Gründe dafür und häufige Fehler sind möchte ich im Folgenden kurz ausführen.

Ihre Website ist Ihr virtuelles Schaufenster. Gleichbedeutend mit einer Auslage bei einem Gassengeschäft. Genau so muss sie auch behandelt werden.
1. Hasch mich, ich bin der ???
Ich wundere mich manchmal, wie schwer es manche Unternehmen interessierten KundInnen machen, sie zu kontaktieren.
Was würden Sie von einem Geschäft halten, dass eine Auslage, aber keine Öffnungszeiten hat?
Genau, sie würden weitergehen und woanders kaufen... Lassen Sie Ihre WebsitebesucherInnen nicht mühselig nach Telefonnummer oder E-Mail suchen! Wenn Sie auch Aufträge von neuen Kunden möchten, sollten diese Kontaktmöglichkeiten idealerweise auf jeder Seite zu finden sein.
2. Websitedesign vor Unternehmenskonzeption
UnternehmensgründerInnen beginnen häufig voller Elan mit der Entwicklung ihres Logos und gleichzeitig mit dem Design der Website. Oft stellt sich aber heraus, dass sie zu diesem Zeitpunkt weder konkret wissen welchem Zweck die Website dienen soll, noch welche Zielgruppe sie damit ansprechen wollen und in einigen Fällen steht noch nicht einmal das Unternehmenskonzept bzw. die eigene Positionierung genau fest.
Würden Sie Ihre Auslage schon mit irgendwelchem Zeug einräumen, wenn Sie noch keine eigenen Produkte lagernd haben und das Shopkonzept noch nicht fertig ist?
Machen Sie zuerst eine Marketingstrategie, legen Sie Ihre Produktpalette fest, definieren Sie Ihr Unternehmensimage - bevor Sie die (virtuelle) Auslage dazu passenden gestalten.
3. Unternehmen kann erst starten nachdem Website fertig ist
Immer wieder höre ich: "Ich kann noch nicht gründen, weil meine Website noch nicht fertig ist."
Klar, heutzutage benötigt man eine Webpräsenz um als Unternehmen glaubwürdig zu sein. Aber:
Würden Sie Ihre Geschäftseröffnung verschieben, nur weil die Auskleidung der Auslage noch nicht endgültig fertig ist?
Ein Schild mit "Neueröffnung" und den Öffnungszeiten, zusätzlich zu ein paar ins Auge springenden Dekogegenständen genügt, um die ersten Kunden anzulocken und zu informieren. Zu Beginn genügt eine einfache einzelne Seite ggf. mit Logo, eine Kontaktmöglichkeit und zwei Sätze zum Unternehmensgegenstand neben einem aussagekräftigen Bild als Blickfang.
Erfahrungsgemäß ändert sich im Laufe der ersten 6-12 Monate das eigene Konzept bzw. das Portfolio aufgrund der Erfahrungen mit den ersten Aufträgen, Kundenfeedback oder durch neue Kontakte und Möglichkeiten, an die man vorher noch gar nicht gedacht hatte.
Lassen Sie sich lieber Zeit, bevor Sie eine Website einrichten, die nicht zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passt und sparen Sie sich das Geld, dass Sie für nachträgliche Änderungen ausgeben müssten.
4. Lieblose, vernachlässigte Website
Jetzt haben Sie also Ihre Website fertig - hurrah! ... und das war es dann.
Würden Sie ihr Schaufenster auch mit ungeputzen Scheiben verstauben und vergilben lassen? Die Auslage auch nach Monaten - oder Jahren - noch unverändert wie bei der Eröffnung haben?
Heutzutage genügt es nicht mehr einfach nur online zu sein! Die Zeiten statischer Designerwebsites sind vorbei. Eine (virtuelle) Auslage muss lebendig und immer aktuell sein. Sie müssen mit Ihren (potenziellen) KundInnen in Kontakt treten, interagieren. Sowas bringt die Leute in der Gasse immer wieder vor Ihr Schaufenster - online zieht es Traffik durch Suchmaschinen an.
5. Fachchinesisch und endlose Allgemeinplätze
Da liest man allerorts seitenweise ausführlichste Erläuterungen zu Angebot, Methode und Werdegang in "seriöse" Formulierungen gehüllt. Jeder ist kompetent, zuverlässig, hat jahrelange Erfahrung und selbstverständlich maßgeschneiderte Angebote. Blablablah...
Würden Sie in Ihrem Schaufenster alles planlos vollstopfen und übereinander stapeln? Nur große Plakate mit "Wir sind kompetent" oder "Wir können alles" reinhängen?
Dass Sie alles können und in jedem Bereich der/die Beste sind wird Ihnen keiner abkaufen - und interessiert auch niemanden. Weniger ist mehr! Finden Sie heraus in welchem Bereich Sie wirklich SpezialistIn sind und kommunizieren Sie das überzeugend.
Dass Sie in Ihrem Bereich kompetent sind setze ich voraus - das müssen Sie weder erwähnen noch durch jede Menge Fachvokabular beweisen. Konkrete Informationen sind der Erfolgsfaktor. Und zwar so, dass auch der Nicht-Experte verstehen kann worum es geht.
Ihre (virtuelle) Auslage soll auf einen Blick informieren, was ich bei Ihnen als KundIn bekomme. Wenn ich so etwas gerade suche und mich Ihr Schaufenster freundlich und aufgeräumt einlädt, werde ich ihr Geschäft betreten = mit Ihnen in Kontakt treten - und dann kommen wir vielleicht sogar ins Geschäft.
Einen großen Unterschied gibt es jedoch zwischen realem Schaufenster und Website:
Als Kundin betrete ich ein Geschäft, weil das Schaufenster mit den ausgestellten Produkten einladend war. Ich kann den Schuh oder die Hose probieren, die Kette umlegen, ein Gerät von allen Seiten betrachten, bevor ich etwas kaufe. Die Person, die mein Geld kassiert und mir alles einpackt ist dabei oft völlig unwichtig.
Als Kleinstunternehmen, das eine Dienstleistung anbietet, sind Sie ganz persönlich Teil des Produktes. Wer Ihre Leistungen in Anspruch nimmt, der bucht Sie als Individuum mit. Wenn Sie also Ihre Website gestalten, verstecken Sie sich nicht! Wie Sie aussehen, wie Sie sprechen, was Sie denken - das macht einen großen Unterschied. Das macht Sie einzigartig und hebt Sie von jedem Mitbewerb ab.
Werden Sie "angreifbar", indem Sie authentisch auftreten. Zeigen Sie Ihre Persönlichkeit auf der Website. Wenn Sie eher konventionell sind, dann ist eine unkonventionelle Website Fehl am Platz. Wenn Sie kommunikativ sind, dann erzählen Sie Ihre Geschichten - als Blog, mit einem Newsletter. Wenn Sie ein zurückhaltender Charakter sind, dann ist vermutlich Rot oder leuchtendes Gelb als Farbe nicht geeignet. Lassen Sie sich nichts von anderen einreden, mit dem Sie sich selbst nicht 100%ig identifizieren können. Denn die Gestaltung Ihrer Website erweckt eine Erwartung bei den Betrachtern - die Sie dann erfüllen sollten, sonst kosten Ihnen viele Erstkontakte jede Menge Zeit, bei denen der potentielle Kunden dann feststellt, dass er sich das (Sie) anders vorgestellt hat.
Als kleine Hilfestellung für Ihre Website kann Ihnen meine Website-Checkliste dienen, oder Sie nützen meine Marketing-Sprechstunde, um offene Fragen zu klären.
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